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Herbst

Im gold‘nen Rausche flieh‘n die Tage.
Wie schnell sind ihre letzen Funken
Im irren Farbenmeer versunken.
Wer hört dann ihre stille Klage?

Wenn kalt und kahl die Bäume steh’n
Und Nebel durch den Morgen schleicht,
Wenn Trauer von den Gräbern weicht,
Als Tränen durch die Nacht zu weh’n.

Wer sieht mich dann im grauen Regen?
Wo nasses Laub im Wind sich leise
Zum Totentanze dreht im Kreise.
Wer gibt mir meinen finst‘ren Segen?

In wirren Träumen such ich dich.
Verzweiflung treibt mich durch die Gassen,
Wo meine Rufe bald verblassen
Und Einsamkeit grüßt schauerlich.

Im stillen Kirchhof kreischt ein Rabe.
Verloren streift durchs Nebelmeer
Ein leise seufzend‘ Geisterheer.
Die Aster welkt auf deinem Grabe.

Die Träume schlafen nur bei Tage.
Wenn meine Augen sich verschließen,
Gedankenströme nachtwärts fließen,
Wer hört dann meine stille Klage?

Frühling

Mir ist so kalt und grau im Herzen,
Als sei der Frühling still geflohen,
Weil meine tief beseelten Schmerzen
Die Lerchen zu verscheuchen drohen.

Am Himmel sinkt die Sonne nieder,
Im Garten ihr die Amseln singen.
Mein armes Herz verjagt die Lieder,
Aus Furcht, es könnt vor Lieb' zerspringen.

Ich möcht so gern ein Liedlein dichten
Auf deine schönen schwarzen Augen.
Doch muss ich leider drauf verzichten,
Mein Liedlein würd ja doch nichts taugen.

Bei jedem Worte müsst ich weinen;
Dein Blick, dein Herz bleibt mir verschlossen,
Die Sonne will mir nicht mehr scheinen;
Ich wünscht', ich hätt mich längst erschossen.

Erwachen

Ich hab so süß geträumt heut Nacht,
Den Liebsten an mein Herz gedrückt,
Im Traume mich an ihm entzückt,
Beglückt, verrückt, bis ich erwacht.

Der Morgen war so einsam leer,
Die dunkle Nacht verweilt' so lang.
Ich schaut' umher, wie ward mir bang,
Wie ward mein armes Herz mir schwer.

Mein Liebster mag nicht bei mir sein;
Weiß nicht, in welchem Arm er liegt,
An welche Brust sein Leib sich schmiegt,
Wer ihn beglückt, da ich hier wein'.

Ach darf ich hoffen, darf ich wagen,
Durch Blicke nur zu ihm zu sprechen,
Verliebtes Schweigen still zu brechen,
Dass er erhöre meine Klagen?

Ich seh' es wohl, ich bin verloren!
Hab' Götterträumen hingegeben
Mein junges, unbeschwertes Leben,
Hab' ew'ge Liebe ihm geschworen.

So soll ich untergeh'n in Kummer?
Ich müsste ihn zugleich zerstören,
Wann sich die Seele ließ betören,
Vom lang ersehnten Todesschlummer.

Es kann nicht lieben, wer nicht lebt
Und wer geliebt, wird niemals sterben.
Nur der wird stürzen ins Verderben,
Der nach der Liebe nie gestrebt.

Enttäuschung

Oh, selig, wer in ew'gem Dunkel lebt,
Wen niemals des Verstehens lichte Flut
Vom Strand des Glückes riss in wilder Wut,
Wen grausame Erkenntnis nie durchbebt.

Oh, glücklich, wen die Liebe nie verführt,
An ihrer Brust den sanften Tod zu sterben,
Wer nie der Hoffnung folgte ins Verderben,
Wen ihre Grabesschwingen nie berührt.

Des Wahnsinns süße Hoffnung ist zerronnen,
Zerrissen ist das Netz, das sie gesponnen.
Allein die Liebe hält der Dämm'rung stand.

Oh selig' Süße ihrer ew'gen Nacht,
Aus diesem Schlummer keiner je erwacht,
Der all sein Leben an die Liebe band.


Autumn Sonnet

The faintest sound of church bells far away,
The scent of autumn in the chilly air,
Enchanted beauty that has led astray
My thought and feeling on a path so fair.

But shadows loomed behind the golden light
And poison, mingled with the grapes' sweet draught,
Destroyed submissive mind and clouded sight,
No spark of comfort could be found when sought.

The flame of ardour, drowned by silent tears,
Still feeds the ghastly spectre of desire.
The smallest spark could kindle all my fears
And set emotion's cold restraint on fire.

A day may come that ends my love for thee.
A day may come that binds thy bliss to me.


Romantischer Wahnsinn

Es ward ein junges Fräulein einst geplagt
Von wilder Liebe und von großem Schmerz.
Nach langem Zagen hatt' sie's dann gewagt,
Sie ließ den Liebsten blicken in ihr Herz.

Der Jüngling ward von ihrem Leid gerührt
Und konnte doch kein Wort des Trostes finden,
In holden Worten riet er, wie's gebührt,
Sie sollt' die falsche Liebe überwinden.

Da ward ihr reines Herz verfall'n dem Wahnsinn,
Sie wollt' dem Leid, dem Schmerz ein End bereiten.
"Ach Liebster, sieh, wie ich verzweifelt bin!
Dein Blicke will zum Frevel mich verleiten!"

Sie griff im Wahn ein Messer scharf und fein,
"Ach Liebster, zög're nicht, nein, flieh hinfort!
Denn meine Liebe soll für ewig sein!"
"Oh Arme, willst du flieh'n an dunkeln Ort?"

"Oh nein, das finstre Grab ist mir zuwider!
Wenn auch die ganze Welt von dir mich trennte,
Das Meer würd' weichen, Berge sinken nieder,
Dir nah mich bringen, wie's der Tod nie könnte!"

Verzweifelt' Liebe, wilder Hass, Verlangen
Und Wahnsinn das verlorne Mädchen trieben,
Zu ewig unvergeb'ner Tat sie zwangen.
Sie rief: "Nicht aufhör'n will ich, dich zu lieben!"

So traf das Messer ihres Liebsten Brust,
Und weinend sank er nieder ihr zu Füßen.
"Was du getan in Wahnsinns wilder Lust,
Das sollst mit ew'ger Lieb zu mir nun büßen!

An meinem Grabe sollst für immer steh'n,
Und vor des Herrn Altar verzweifelt knien,
Vergebung deines Frevels dir erfleh'n,
Doch nimmermehr sei dir der Mord verzieh'n!

Die Hölle sollst du finden schon auf Erden,
Denn lieben sollst du mich für alle Zeit,
Oh, niemals soll dein Herz mir untreu werden,
Bis dass vergangen selbst die Ewigkeit!"

Das Fräulein ward gepackt von wildem Grausen;
Oh wie viel bittre Tränen sie vergoss,
Als die sich stürzte in das kalte Brausen,
Des Wassers, das die tiefe Schlucht durchfloss.

Noch heute irrt umher ihr Geist und sucht,
Getrieben von der Liebe wilder Qual,
Das Grab des Liebsten, der sie einst verflucht,
Dass mit Verzweiflung sie den Mord bezahl.


Sonett

Ach, könnt' ich dichten ein Sonette dir!
Könnt' ich in Worten groß und schön verkünden,
Gedanken, die die Liebe will entzünden,
Im stillen, süß verträumten Herzen mir.

Zum Schweigen ist's dann doch zu kurz, das Leben.
Und das, was auszusprechen ich nicht wag',
In Reimen dir zu flüstern nur vermag,
Ins Schweigen süße Töne mir soll weben.

Wenn auch die Töne allzu bald verklingen,
Die Stille und das Sehnen nicht bezwingen,
Die Zeilen, die so glücklich ich geschrieben,

Unter deinen Blicken wohl verblassen,
So konnt' ich doch in schöne Worte fassen,
Wie der Mensch kann ohne Hoffnung lieben.


Sonett an die stets überaus
leidenschaftlich deprimierten Pubertierenden

Ich bin vom Leid so hoch beglückt, entzückt,
Verzweifelt' Tränen steh'n mir gar so gut!
Ach Kind, ergötz dich nicht an deinem Blut,
Im Grunde, Kind, bist du doch nur verrückt.

Was wär' das Leben denn gar ohne Pathos?
Und wer sagt denn, daß erst heut die Jugend,
Die Freud am Leide preist als hohe Tugend?
Novalis doch schon bitt're Tränen vergoß!

So gebt euch nur dem edlen Weltschmerz hin,
Denn nur das Leiden gibt dem Leben Sinn!
Das Schicksal, Kinder, meint es bös' mit euch-

Das Schicksal, liebe Kinder, lacht euch aus!
Solch falsche Leiden, Klagen sind ein Graus.
Ach, wär' die Welt befreit von dieser Seuch!

A smile in the Morning

I awake and find my room
Veiled with darkness and with gloom.
Close my eyes again to find
Those precious dreams I've left behind.

But peace of sleep can never last,
The end of day will come so fast.
Ere the night creeps over field and tree
Much work needs to be done by me.

As I step into this morning cold and grey
The joys of summer seem so far away.
So now my only wish is to be freed
From autumn's chill with deathly greed.

I shiver, then I softly sigh
As I see you swiftly passing by.
I smile in secret, bow my head,
And no longer is this morning sad.

So smile at me on gloomy days
For happiness knows many ways.
It may be found in any place,
Go find it in my smiling face.

Now don't you go and ask my name
For that has never been my aim.
I only wished to make you smile
And think of me for a little while.

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